Seminar 'Gender and State', Dr. Birgit Sauer, Institut für Politikwissenschaft - Universität Wien, 2003
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1. April 2003
Feministische Staats-Konzepte I


Sitzungsprotokoll

von Ingrid Metzler


Inhalte der Sitzung:


1. Resümee des Textes von Nicholson, Linda (1994): Was heißt »gender«. In: Institut für Sozialforschung (Hg.), Geschlechterverhältnisse und Politik. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 188-220
2. Referat I: Text: Kreisky, Eva (1995): Der Staat ohne Geschlecht? Ansätze feministischer Staatskritik und feministischer Staatserklärung. In: Kreisky, Eva/Sauer, Birgit (Hg.), Feministische Standpunkte in der Politikwissenschaft. Eine Einführung. Frankfurt/New York: Campus Verlag. S 203-222
3. Diskussion: wie misst man Männlichkeit des Staates
4. Referat II: Text: Sauer, Birgit (2001): Die Asche des Souveräns. Staat und Demokratie in der Geschlechterdebatte. Frankfurt/New York: Campus Verlag. S. 155-168

1. Resümee des Textes von Nicholson bzw. der Diskussionen der letzten Sitzung:
Diskussion des mit dem Problem der biologischen Fundierung eingehenden Problems bzw. auch allgemeiner: Welche Relevanz hat die Kategorie Gender? Wie soll in eigenen Forschungsarbeiten damit umgegangen werden? Was muss beachtet werden?

Ergebnis: Gender ist mit nichten sinnlos geworden, jedoch sollte der Umgang mit dieser Kategorie kritisch hinterfragt werden. Dabei muss auf alle Fälle das Konstrukt der Herrschaft explizit gemacht werden. Binär konzipierte Zuschreibung müssen als Herrschaftsverhältnis dargelegt werden und sollten nicht durch eine unkritische Verwendung erhärtet werden.

2. Referat I (gehalten von Paula Bolyos):
Zentrale These des Textes: Entgegen den zentralen Annahmen des wissenschaftlichen Mailstreams ist Staat kein geschlechtsneutrales Konzept. Im Gegenteil: Männlichkeit ist eingeschrieben. (Siehe Handout).

3. Diskussion:
Der allgemeine Eindruck des Textes war eher negativ, da der Grundtenor, negativ, ‚pessimistisch' teilweise ‚niederschmetternd' sei. Insbesondere handle es sich um eine reine Dekonstruktion, Änderungsmöglichkeiten werden nicht angedeutet. Letzten Endes wird der Staat auf seine Männlichkeit festgelegt. Das Konzept des Männerbundes scheint eine hermetisches Formel ohne Alternative zu sein.
Diskussion der Frage, in wie fern die Genese des Staates bereits Männlichkeit festgeschrieben hat. Daraus folgt: Gewaltförmigkeit (Max Weber) mittels Militär und Bürokratie beide waren explizit von Männer dominiert.
Die allmähliche Demokratisierung des Staates war ebenso auf Männer beschränkt. Dann schrittweise Inklusion von Frauen und formalrechtliche Gleichstellung.

zentrale Fragen:
- Wie kam es dazu? Warum wurden Frauen inkludiert?
- Kann man in der Folge von einer Feminisierung von Staat sprechen?
- Damit verbunden: Was genau macht die Männlichkeit des Staates aus?

4. Referat II (Benedikt Krenn)
Der Ansatz von Birgit Sauer unterscheidet sich wesentlich von Eva Kreiskys Ansatz. Ein Set von Analyseinstrumenten wird dargestellt, mittels derer die Männlichkeit des Staates untersucht werden soll (vgl. Handout). Structures und Agencies werden nicht antithetisch dargestellt, sondern miteinander in Verbindung gebracht. Staatliche Institutionen werden weniger monolithisch. Zusammenfassen wird der Staat "weicher" und damit veränderbar.

Begriff:
Dispositiv: hat einen doppelten Charakter:
- macht Strukturen deutlich
- lässt sich jedoch nicht verändern.
Dispositiv in diesem Fall ist die Zweigeschlechtlichkeit.