Seminar 'Gender and State', Dr. Birgit Sauer, Institut für Politikwissenschaft - Universität Wien, 2003
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13. Mai 2003
Frauenbewegung


Sitzungsprotokoll

von Benedikt Krenn

1. Blitzlichter auf Texte und Überlegungen zu feministische Staatskonzepte

* Was sind wesentliche Kriterien zur Beschreibung von Staat als institutionalisierter Männlichkeit
* Anregung für kritische Auseinandersetzung mit Staat und Staatlichkeit gefunden
* Verhältnis zwischen Strukturen und Akteuren
* Staat und staatliche Verhältnisse als historisch wandelbar

2. Frauenbewegung - was bedeutet das für uns (Versuch eines brainstormings)

positiv negativ
* Amt der Frauenministerin (abhängig von Person)
* NGO Forum Beying
* Alle Menschen mit geschlechtsneutraler Sprache
* Menschen die sich für Gleichberechtigung von Frauen einsetzen
* feminist ATTACK
* WIDE-women ion development
* Frauensolidarität
* AUF -Aktion Unabhängiger Frauen
* Frauenhäuser
* Prostituierten Gewerkschaft
* Unabhängiges Frauenforum
* Diverse Beratungszentren
* Amt der Frauenministerin


Diskussion zu: Dorothy McBride Stetson, Amy G.Mazur, Reconceptualiszing the womens movement: discourses, actors and states, 2003
* Unterscheidung zwischen nominaler und operationaler Definition
* Abhängige Variable als das zu Erklärende, Unabhängige Variable dient als Erklärung (bsp Erfolge in politischen Diskursen oder staatlicher Politik als abhängige Variable die durch unabhängige Variable der Form und des Ausmasses der Faruenbewegung erklärt werden soll)
* Das Arbeiten mit der Annahme von aufeinander bezogenen abhängigen und unabhängigen Variablen entspricht quantitativem Vorgehen. Qualitative Forschungsansätze zielen eher auf Kontext oder gesellschaftliche Gesamtzusammenhänge denn auf Erklärung von Kausalzusammenhänge
* Operationale Analyse muss Aspekte der Validität und Reliabilität erfüllen. Nominale Analyse muss Veränderungen berücksichtigen können
* Trennung zwischen Akteurinnen und Bewegungen:
Mc Bride Stetson und Mazur vollziehen eine Trennung zwischen Akteurinnen der Frauenbewegung und der Bewegung als Institutionen. Die beiden gehen in ihrer operationalen Definition von Akteurinnen aus, die Interessen der Frauen auf ihre Fahnen heften und so schreiben und handeln. Entscheidend für die Zuordnung ist wie sich Akteurinnen in ganz spezifischen Diskursen verhalten. In einem Diskursfeld können sie somit der feministischen Frauenbewegung zugerechnet werden, in einem anderen aber auch außerhalb verortet werden. Bei einer operationalen Definition die lediglich am einzelnen Akteur ansetzt läuft mensch aber Gefahr die Bewegung als solche aus dem Blick zu verlieren. Was bedeutet es wenn ich Akteurinnen und deren Verhalten, Diskurse messen und Institutionen über diese zu beschreiben versuche?


3. Was bedeutet Frauenbewegung , diesmal auf nominaler Ebene (ein zweiter Versuch des brainstormings)

* Frauenbewegung als kollektive `Selbsnarration`die durch Frauen geschaffen wird.
* Ein kollektives Selbstbewusstsein das bewusst auch nach außen getragen wird, wobei sich ein Identitätsbewusstsein in Folge des bewussten Erlebens von Unterdrückung und Benachteiligung entwickelt
* Frauenbewegung kann als spezifischer Diskurs gefasst werden
Hier stellt sich die Frage der Überdehnung des Begriffs, bietet sich die Unterscheidung zwischen feministischer und nicht feministischer Frauenbewegung an. Aber was verspricht man sich vom `labelling`als feministisch überhaupt? (bsp DDR nach 89 oder auch Frauen des Südens wehren sich gegen Bezeichnung als feministisch)
Anmerkung des Protokollanten: Frauenbewegung könnte als soziale Bewegung, als mobilisierender gesellschaftlicher Akteur verstanden werden, deren Mitglieder sich für eine Veränderung des Geschlechterverhältnisses aktiv einsetzen und auf unterschiedlichen Ebenen gesellschaftlichen Handelns an zu siedeln sind (lokal, national, global). Entscheidend ist nicht nur was sie tun sondern vor allem auch wie sie es tun.


4. Wer hat überhaupt die Macht Interessen der Frauen zu definieren?

Interessen entstehen im politischen Prozess - der als hegemonialer Prozess zu verstehen ist - in dem Interessen besser ausgestatteter Gruppen eher umgesetzt werden. `Das Interesse`von Frauen lässt sich nicht definieren, wohl aber über ganz spezifische Betroffenheit in bestimmten Politikfeldern heraus destillieren. Interessen von Frauen können sich in policy Felder deutlich unterscheiden.


5. Begriff der sozialen Bewegung

* Diente ursprünglich zur Abgrenzung gegenüber staatlichen Feldern
* Soziale Organisationsforschung fasste darunter eine spezifische Organisationsform des politischen Handelns in losen Zusammenschlüssen ohne feste organisatorische Strukturen und war als Abgrenzung gegenüber politischen Parteien gedacht
* Definitionen griffen mit Veränderung des Erscheinungsbildes sozialer Bewegungen nicht mehr und wurde als der Tot sozialer Bewegungen beschrieben. Es wurde übersehen das sich lediglich Formen und Strukturen sozialer Bewegungen verändert hatten
* Es wurde der Versuch unternommen soziale Bewegungen als den sozialen Wandel treibend zu beschreiben, aber auch dieser Definitionsversuch war eng begrenzt und verschwand bald wieder
* Versuch soziale Bewegung als spezifischen Diskurs zu umschreiben, also als Herausbildung ganz bestimmter Identitätsmuster in größerem gesellschaftlichen Diskurs


6. Was passiert mit `bewegten´ Frauen wenn sie sich staatlichen Institutionen annähern?

Vor allem im skandinavischen und deutschsprachigen Raum stellte sich die Frage was aus frauenbewegten Frauen werde wenn sie sich in staatliche Strukturen eingliedere, an staatlichen Institution partizipiere und diese mit gestalte.
Definitionen sind immer in Verbindung mit bestimmtem Kontext zu denken, sollen diesen berücksichtigen. Ändert sich der Kontext passt die Definition oft nicht mehr. Geht meine Definition vollkommen im Kontext auf, so verliert sich der Blick auf die ursprüngliche Frage