Governance, Staatlichkeit und Demokratie. Geschlechterkritische
Zugänge
Politische
Internationalisierung und nationalstaatliche Transformationen
ließen in der vergangenen Dekade auf internationaler, aber auch
auf nationaler und lokaler Ebene neue Formen politischer Willensbildung
und Entscheidung entstehen, die unter dem Stichwort "Governance"
diskutiert werden. Das Charakteristikum dieser neuartigen
Verhandlungsnetzwerke, außerparlamentarischer Formen der
Diskussion und der Entscheidungsfindung ist es, dass
(national-)staatliche Verwaltungen nicht mehr die dominanten Akteure
sind, sondern dass gesellschaftliche Gruppen schon frühzeitig in
Politikprozesse eingebunden werden. Das staatliche Definitions- und
Entscheidungsmonopol wird mithin relativiert, so dass mit
"Governance"-Strukturen die Hoffnung auf nicht-hierarchische,
kooperative bzw. heterarchische Formen von Politik verknüpft ist.
Auch in feministischen Debatten wird "Governance" – insbesondere auf
internationaler Ebene – als eine Möglichkeitsstruktur gesehen, um
androzentrische, rassistische und klassistische Formen der auf
(National-)Staatlichkeit basierenden Weltordnung zu überwinden und
inklusivere, deliberativere, partizipatorischere und responsivere
Formen politischer Entscheidungsfindung zu etablieren.