Seminar 'Governance, Staatlichkeit und Demokratie. Geschlechterkritische Zugänge', Dr. Birgit Sauer, Institut für Politikwissenschaft - Universität Wien, 2005
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Governance, Staatlichkeit und Demokratie. Geschlechterkritische Zugänge

 

Politische Internationalisierung und nationalstaatliche Transformationen ließen in der vergangenen Dekade auf internationaler, aber auch auf nationaler und lokaler Ebene neue Formen politischer Willensbildung und Entscheidung entstehen, die unter dem Stichwort "Governance" diskutiert werden. Das Charakteristikum dieser neuartigen Verhandlungsnetzwerke, außerparlamentarischer Formen der Diskussion und der Entscheidungsfindung ist es, dass (national-)staatliche Verwaltungen nicht mehr die dominanten Akteure sind, sondern dass gesellschaftliche Gruppen schon frühzeitig in Politikprozesse eingebunden werden. Das staatliche Definitions- und Entscheidungsmonopol wird mithin relativiert, so dass mit "Governance"-Strukturen die Hoffnung auf nicht-hierarchische, kooperative bzw. heterarchische Formen von Politik verknüpft ist. Auch in feministischen Debatten wird "Governance" – insbesondere auf internationaler Ebene – als eine Möglichkeitsstruktur gesehen, um androzentrische, rassistische und klassistische Formen der auf (National-)Staatlichkeit basierenden Weltordnung zu überwinden und inklusivere, deliberativere, partizipatorischere und responsivere Formen politischer Entscheidungsfindung zu etablieren. Das Seminar wird ausgehend von politischen Beispielen versuchen, die demokratie- und staatstheoretischen Implikationen der Governance-Debatten geschlechterkritisch herauszuarbeiten.