RingVO Hintergedanken zum Gedankenjahr 2005: Eine politische Inszenierung österreichischer Verdrängung, Dr. Birgit Sauer, Institut für Politikwissenschaft - Universität Wien, 2005
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RingVO Hintergedanken zum Gedankenjahr 2005: Eine politische Inszenierung österreichischer Verdrängung

Die Ringvorlesung thematisiert vor dem Hintergrund des so genannten „Gedankenjahres 2005“ verschiedene Identitätsentwürfe der Zweiten Republik. Das Jubiläumsjahr präsentiert sich als ein feierlicher Veranstaltungskalender für die großen Jahresstage 60 Jahre Zweite Republik, 50 Jahre Staatsvertrag und Unabhängigkeit Österreichs sowie 10 Jahre Beitritt zur Europäischen Union. Repräsentationen österreichischer Geschichte und Identität nach 1945 stehen im Mittelpunkt von historischen Großausstellungen, populärkulturellen Events, Publikationen, TV- und Filmproduktionen. Diese politischen und medialen Inszenierungen konstruieren ein nationales „Wir“ und fungieren zugleich als Bühne für die (Selbst)Darstellung politischer und kultureller Eliten. „Hintergedanken“ beabsichtigt eine transdisziplinäre Sicht auf jene mythisierten historischen Ereignisse, denen identitätsstiftendes Potential zugeschrieben wird. Aus kritischer Perspektive werden Entwicklungslinien und Strukturen zwischen verordnetem Gedächtnishintergrund, institutioneller Selbstvergewisserung und subjektiver Erinnerung rekonstruiert. Den gemeinsamen Fluchtpunkt der hegemonietheoretischen, politikwissenschaftlichen, filmwissenschaftlichen und historischen Annäherung bilden die Rollen der involvierten AkteurInnen, ihre Strategien und Handlungsmuster sowie die Interessen, aus denen heraus Politik Gesellschaft gestaltet: Wer gedenkt wessen und warum, wer ist dieses angesprochene „Wir“, was soll das Ganze und wo bleiben eigentlich die „Anderen“?