Dr. Birgit Sauer, Institut für Politikwissenschaft - Universität Wien
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Wissenschaftliches Arbeiten

In diesem Bereich werden grundlegende Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens vorgestellt. Hier findest du "Howto's" zu:

Textanalyse | Begriffe | Forschungsexposé



Howto: Textanalyse

Worum geht es?

Jeder Text kann analysiert werden - d.h. in seine Bestandteile zerlegt werden. Das unterscheidet wissenschaftliches von anderem Lesen eines Textes. Bei der Analyse sollte daher nicht bei den (manifesten) Inhalten - der "Geschichte" - stehen geblieben werden, sondern es gilt herauszufinden, was der Text sonst noch aussagt.


Wie anfangen?

Als Anfang ist es sehr nützlich zunächst ein "Abstract" des Textes zu verfassen. Das ist eine pointierte Zusammenfassung des Texts in wenigen Sätzen. Es sollten ganze Sätze sein und dennoch maximal 100 Wörter. Das ist zu schaffen, wenn wirklich konsequent auf die Argumentationslinie des Textes geachtet wird und nur diese dargestellt wird. Wie das Wort "Abstract" schon sagt, sollen also die zentralen Argumente abstrahiert (herausgelöst) werden. Dabei wird der Aufbau und der Argumentationsgang des Textes sichtbar.

Was dann?

Ausgehend vom Abstract können nun Fragen an den Text und das "Umfeld" (den Kontext) des Textes formuliert und erörtert werden.


Allgemeine Fragen:

WAS ist das für ein Text? Ist es ein wissenschaftlicher Text, ein Essay, eine Rede, ein Roman, ein politisches Pamphlet, ein Gesetzestext usw.? Es sollte auch angegeben werden, was als Indiz für die Zuordnung verwendet wird. Z.B. der Text ist mit Zitaten versehen, klar strukturiert und sachlich argumentiert - ergo ein wissenschaftlicher Text. Oder: hier wird eine Geschichte erzählt, die stilistisch sehr spannend gestaltet ist, mit fiktiven Personen, das ganze auf 150 Seiten - ergo ein Roman. Die Zuordnung kann auch strittig bleiben, z.B. wenn der Text sehr essayistisch ist, aber trotzdem inhaltlich und vielleicht sogar formal sehr wissenschaftlich anmutet. (Hilfe für die Zuordnung kann auch das Wissen um den Autor / die Autorin bieten.)

WER hat den Text geschrieben? (biographische Notizen, sofern sie für den Inhalt relevant sind) Es ist nicht notwendig den gesamten Lebenslauf eines Autors / einer Autorin zu rekonstruieren. Aber es ist immer interessant und hilfreich zu wissen, woher der Verfasser / die Verfasserin kommt. Ist er / sie PolitikwissenschafterIn, SoziologIn usw.? In welchem Kontext (historische Zeit, soziales Umfeld, Betätigungsfeld, Diskussionszusammenhang usw.) wurde der Text verfasst? An wen richtet er sich?

Rezeption / Wirkung:
Hier kann noch unterschieden werden zwischen dem, was der Autor / die Autorin vielleicht beabsichtigt hat...
Was wollte der Autor / die Autorin wohl bewirken? Das kann z.B. anhand der Argumentauswahl und der Argumentationsfiguren dingfest gemacht werden: Welche Metaphern, Redewendungen, Floskeln, Anspielungen tauchen im Text auf? (d.h. welche Interpretation wird dem Leser / der Leserin nahegelegt?)
... und dem, wie der Text sonst noch gelesen werden kann: Wie wird der Text (heute) und von wem wird der Text gelesen und interpretiert? Gibt es mehrere Möglichkeiten der Interpretation? (d.h. ist der Text mehrdeutig?)
... und zu guter letzt: Wie verstehe ich den Text? Und warum lese ich ihn so und nicht anders?

Alle Fragen "sklavisch" abzuarbeiten ist nicht immer sinnvoll. Das hängt vom zu analysierenden Text ab. Daher solltet ihr versuchen, für eure Analyse begründete Fragestellungen zu entwickeln. Begründet in dem Sinne, dass sie aus der Intension des Textes erklärbar sind.



Spezielle Fragen:

Je nach Thema und Problemstellung können weitere Fragen an den Text gestellt werden. Z.B. Wie definiert Eagleton "Ideologie"? Welche Definitionen von Ideologie gibt es sonst noch? Ist seine Darstellung plausibel? usw.
Thema und Problemstellung in diesem Sinn können sein, entweder meine Fragestellung, wenn ich gerade eine Arbeit schreibe, oder die zentrale Problemstellung des Textes selber. Für die Übung in dieser Vorlesung ist zweiter Weg naheliegend.


Formales zur Textanalyse:

Layout:

Bei Vorlesungs-, Proseminar- und Seminararbeiten etc. sollte immer am Anfang der Name der Lehrveranstaltung, der/des Lehrverstalter(s;-in) sowie das laufende Semester angegeben werden, zusammen mit euren Namen (+Matrikelnummer und Studienkennzahl) und dem Titel der Arbeit. Wie bzw. wo man das macht - ob in der Form eines Deckblattes, oder eines "Kopfs" ist an sich egal (Gerade bei kürzeren Arbeiten genügt ein Kopf).
Bei mehrseitigen Arbeiten immer Seitenzahlen einfügen!
1,5 Zeilenabstand (bei Serifenschrift, z.B. Times New Roman 12 Punkt Schriftgröße; entsprechende Größe bei anderen Schriftarten, z.B. Arial 11 Punkt).

Umfang:

Die Textanalyse für diese Übung sollte zwischen 4.000 und 5.000 Zeichen umfassen (das sind etwa 2 bis 2 ½ Seiten; unter jedem Textverarbeitungsprogramm können Zeichen/ Wörter automatisch gezählt werden. In Word findet sich das entsprechende Feature unter dem Menü "Extras"/ Wörter zählen; ein etwaiges Deckblatt/ Fußnoten sind nicht mitzuzählen).

Inhalt:
Zitat des Textes, Abstract, Angaben zum Autor / zur Autorin sofern relevant (Informationen mit Zitaten belegen), Darstellung der Fragestellungen mit Begründung, Abarbeiten der Fragestellung (mit Zitaten im Text belegen), eigene Rezeption, Meinung / Kritik, im Anhang Angabe weiterer verwendeter und zitierter Literatur (Sekundärliteratur) und / oder Quellen.

Rechtschreibung:
Es lohnt sich, bevor ihr etwas abgebt, es noch einmal auf Rechtschreib- und andere Fehler durchzulesen. Viele Fehler beruhen auf Schlamperei und sind leicht zu verhindern!
Ob ihr alte oder neue deutsche Rechtschreibung verwenden wollt, bleibt euch überlassen. Ihr müsst diese oder jene aber konsistent verwenden!
Bei jedem Textverarbeitungsprogramm gibt's normalerweise ein Feature "Rechtschreib- und Grammatiküberprüfung", wie auch immer das im Konkreten heißt. Bei neueren Word-Versionen gibt's eine automatische Überprüfung (falsch geschriebene Worte sind unterwellt), oft auch eine automatische Sprachüberprüfung. Vorsicht: nicht alles, was Rechtschreibprogramme als falsch ausweisen, ist auch falsch (viele Fremdworte müssen erst zum Benutzerwörterbuch hinzugefügt werden - der Computer kennt sie noch nicht und weist sie als falsch aus).


Tipp: sehr hilfreiche Informationen über Textanalyse (Rubrik 'Materialien') und weiteres mehr unter:

http://www.political-science.at/lehre/

 


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Howto: Begriffe


"Brecht hat von Begriffen als Griffen gesprochen, mit denen Dinge und Verhältnisse in Bewegung gesetzt werden - ganz entsprechend dem Verhalten eines Handwerkers, der Werkzeuge benutzt, um das Material zu bearbeiten und ihm eine den Zwecken angemessene Gestalt zu geben. Gehen diese Griffe verloren, büßen auch die Begriffe und Worte ihre verlässliche Wirkungsweise ein."
(Oskar Negt/ Alexander Kluge, Maßverhältnisse des Politischen, Frankfurt/M, 1992, 57)


Warum Begriffe?

Wie das eingangs erwähnte Zitat nahe legt, sind Begriffe zentral für jede kritische Wissenschaft bzw. für jede Sozialkritik im allgemeinen. Die Verhältnisse müssen be-griffen werden, um sie verändern zu können.
Begriffe sind nun auch das notwendige Rüstzeug für jede Politologen/ jede Politologin, gleich ob man/frau nun eine kritische Absicht verficht oder nicht. Es geht einerseits darum, die Verhältnisse mit möglichst treffenden Begriffen möglichst klar und konsistent zu beschreiben. Andererseits geht es auch darum, zu erkennen welche Begriffe in der wissenschaftlichen Diskussion oder auch im Alltagsdiskurs mit welchen Konzepten und Theorien verknüpft sind, also die Bedeutung eines Begriffes herauszuarbeiten und Assoziationsketten/ Naheverhältnisse/ Begriffscluster zu "entdecken".

Nicht selten stehen Definitionsfragen am Ausgangspunkt politischer und wissenschaftlicher Auseinandersetzungen. "Bürger" kann man/frau z.B. als Staatsbürger(In!) - als volljährige(n) Staatsangehörige(n) -, als Staatsbürger(In) im Sinne eines Trägers von sozialen, ökonomischen und politischen Rechten, aber auch als männlichen Bourgeois (d.h. in ökonomischer Weise) definieren. Wenn Andreas Kohl von "Bürgergesellschaft" redet, hat er etwas ganz anderes im Sinn als regierungskritische Organisationen, wenn sie von "Zivilgesellschaft" sprechen (die sich ja auch auf den Bürger bezieht).


Begriffe sind Konventionen.

Genau wie Masseinheiten oder Farben sind auch Begriffe das Ergebnis von Verhandlungen. Begriffe sind weder naturgegeben noch immerwährend. Ihre Bedeutung kann sich ändern. Nicht zuletzt die Neuauflagen der Lexika zeugen davon, dass Begriffe "leben".
Einerseits heisst das, dass wir den Bedeutungen von Begriffen nicht "ausgeliefert" sind, sondern diese durchaus ändern können, dass es verschiedene Ansichten geben kann und dass Begriffe eine Geschichte und eine Zukunft haben. Andererseits bringt das auch Schwierigkeiten mit sich:
Begriffe sind an einen Kontext gebunden, an eine Zeit und an das jeweilige Wissen dieser Zeit.



Tipps zum Umgang mit Begriffen

Kategorien
Fremdwörter, die einfach (in einem Fremdwörterlexikon) nachzuschlagen sind bzw. schon bekannt sind (z.B. antagonistisch)
Theoriespezifische Ausdrücke, wobei der theoretische Hintergrund bekannt sein muss, um die spezifische Bedeutung des Wortes zu erschließen (z.B. Arbeitsbegriff - ist für Locke's Theorie zentral; von in gewisser Weise an Locke anknüpfend, aber in anderer Bedeutung und Zusammenhang findet der Begriff sich bei Marx, ebenso an zentraler Stelle).
Philosophische und metatheoretische (wissenschaftstheoretische) Fachausdrücke (Philosophie-Lexika befragen) - z.B. heuristisch
Wörter, die in der Alltagssprache vieldeutig sind oder einen abweichenden Bedeutungsgehalt haben als im politikwissenschaftlichen Jargon. Hier gilt es die Differenzen festzuhalten bzw. auch sich die Tatsache bewusst zu machen, dass es auch in verschiedenen theoretischen Ansätzen Bedeutungsunterschiede gibt. (z.B. Arbeit, Politik, Anerkennung)


Hilfreich ist auch die Unterscheidung in Begriff / Konzept / Theorie, die man sich als unterschiedlich weitreichend vorstellen kann.
Ein Begriff (wenn man ihn als Terminus Technicus versteht) besitzt demnach per se die geringste Reichweite - er bezeichnet zunächst nur ein mehr oder weniger eingeschränktes Phänomen. Der Begriff "Legislative" bezeichnet zunächst eine relativ eindeutige Sache. Nahestehende Begriffe sind Judikative und Exekutive, die wiederum auf den Begriff der Gewaltenteilung verweisen. Letzterer ist nun alles andere als eindeutig, auch wenn das vorerst so erscheint.
Unter "Gewaltenteilung" versteht man üblicherweise die Trennung zwischen Judikative, Exekutive und Legislative. Bei genauerer Hinsicht ist es gar nicht immer so einfach, die Behörden des Staates einer "Gewalt" zuzuordnen oder die Gewaltenteilung auch nur in den Begriffen der Trennung zwischen den drei Gewalten zu sehen. Sehr häufig wird etwa der Begriff der Gewaltenteilung in Verbindung zum Konzept des "checks and balances" gebracht, das einem U.S.-amerikanischen Kontext entstammt. Gewaltenteilung im Sinne von "checks and balances" betrifft nicht nur jene zwischen den drei Staatsgewalten, sondern auch zwischen Zentralstaat und Gliedstaaten (Föderalismus) und hat somit ganz spezifische Implikationen.
Sehr häufig lassen sich also Begriffe gar nicht unabhängig von weiterreichenden Konzepten oder Theorien verstehen (der Begriff "Gewaltenteilung" lässt sich nicht sinnvoll ohne ein bestimmtes Konzept bzw. Theorie von Gewaltenteilung diskutieren).



Hinweise zum Aufarbeiten der Begriffsliste:

1. versucht mal eine Zuordnung zu den o.g. Kategorien
2. banale Fremdwörter, die nicht bekannt sind, nachschlagen
3. Begriffspaare und -gruppen finden und bilden
3a. Gegensatzpaare (z.B. Allgemeininteresse vs. Einzelinteresse)
3b. Gruppierung miteinander verbundener Begriffe: Kapitalismus, Feudalismus und anschließende Zuordnung zu einem Überbegriff z.B. Wirtschaftssysteme
oder anderes Beispiel: Staats- oder Verfassungsformen: Demokratie, Aristokratie, Monarchie, Oligarchie, ...
3c. Synonyme identifizieren (z.B. Egoismus, Eigensucht)

Im wesentlichen geht es bei den meisten Begriffen aber darum, dass man sie einigermaßen zuordnen kann und eigenständig Assoziationsketten zusammenspinnen kann.

Beispiel: "bürgerliche Gesellschaft" wird in den Vertragstheorien synonym für den Staat verwendet, im Gegensatz zum Naturzustand; wurde historisch mal versucht zu verwirklichen durch eine bürgerliche Revolution, bekannt als die Französische Revolution 1789; die Träger / zentralen Akteure dieser Revolution bezeichneten sich selbst als Bürger / den Dritten Stand und beanspruchten in diesem Sinne auch (Staats-)Bürgerrechte; der Dritte Stand ist im Kontext einer Ständeordnung eine Bevölkerungsgruppe, die sich sozial ansiedelt zwischen der Aristokratie und dem Bauernstand; ökonomisch betrachtet entwickelten sich Teile dieses Standes vom mittelalterlichen Stadtbürgertum durch die Entstehung des Kapitalismus und die industrielle Revolution zur sogenannten Bourgeoisie; das sind in einer Klassengesellschaft die Kapitalisten (die Eigentümer von Produktionsmitteln), im Gegensatz zur Arbeiterklasse bzw. dem Proletariat (die Eigentümer der Arbeitskraft); in der Arbeitswerttheorie entsteht Wert jedoch nur durch Arbeit, wodurch Marx zu dem Schluss gekommen ist, dass sich die Kapitalisten mehr Wert (den sogenannten Mehrwert) aneignen als sie den Arbeitern durch Lohn abgelten, um zu Gewinn zu kommen, d.h. es findet Ausbeutung statt, usw.



Lexika: Mit Begriffen zu arbeiten, bedeutet mit Lexika zu arbeiten.
Es gibt je nach Fachbereich oder Wissensgebiet verschiedene Nachschlagequellen.
Es ist also ratsam, je nach Begriff, zu wissen, welches Gebiet und Naschlagewerk für "deinen" Begriff in Frage kommt. Ausgangspunkt einer solchen Suche ist oftmals ein Herkunftswörterbuch, eine Enzyklopädie oder ein einfaches Fremdwörterbuch.
TIP: Solche Wörterbücher werden auch als kostengünstige einbändige Ausgaben (von mehreren Verlagen) angeboten.
Nachdem du weisst, wo das gesuchte Wissen zu finden ist, sollte ein fachspezifisches Wörterbuch konsultiert werden, zb. das "Lexikon der Politik" oder das "Philosophie Lexikon".

Eine sehr gute Literaturliste zur Politikwissenschaft findet sich auf http://www.political-science.at/lehre/index.htm. Hier ein Auszug aus dem Bereich 'Handbücher und Lexika':

Barudio, Günter 1994: Politik als Kultur. Ein Lexikon von Abendland bis Zukunft, Stuttgart/Weimar

Brunner, Otto/Conze, Werner/Koselleck, Reinhart (Hg.) 1972ff.: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Stuttgart

Das Fischer Lexikon "Staat und Politik" 1957, hg. von Fraenkel, Ernst/Bracher, Karl Dietrich, Frankfurt/M.

Fetscher, Iring/Münkler, Herfried 1985-1993: Pipers Handbuch der politischen Ideen, 5 Bände, München

Görlitz, Axel/Prätorius, Rainer (Hg.) 1987: Handbuch Politikwissenschaft. Grundlagen - Forschungsstand - Perspektiven, Reinbek bei Hamburg

Holtmann, Everhart (Hg.) 2000: Politiklexikon, 3. Auflage, München/Wien

International Encyclopedia of the Social Sciences 1968ff., hg. von Sills, David L., 16. Bände, London/New York

Mickel, Wolfgang W. (Hg.) 1983: Handlexikon der Politikwissenschaft, München

Nohlen, Dieter (Hg.) 1995: Wörterbuch Staat und Politik, Neuausgabe, München

Nohlen, Dieter (Hg.) 1992ff.: Lexikon der Politik, 7 Bde., München

Pipers Wörterbuch zur Politik 1983ff., hg. von Nohlen, Dieter et al., 6 Bde., München

Schmidt, Manfred G. 1995: Wörterbuch der Politik, Stuttgart

Staatslexikon 1985ff. Recht, Staat, Gesellschaft, hrsg. von der Görres-Gesellschaft, 5 Bde., 7. Aufl., Freiburg

Theimer, Walter 1981: Lexikon der Politik. Politische Grundbegriffe und Grundgedanken, 9.Aufl., München

Woyke, Wichard (Hg.) 1998: Handwörterbuch Internationale Politik, 7. Aufl., Opladen/Bonn



Howto: Forschungsexposé

Ein Forschungsexposé ist das Rohkonzept einer wissenschaftlichen (Haus-)Arbeit. Das Exposé soll also einen Überblick über Thema, Problemstellung, Thesen und den Gang der Argumentation (Gliederung) der Arbeit vermitteln. Es sollte Hinweise auf den theoretischen Zugang sowie auf die Methode (zusammen: Forschungsansatz) der Arbeit geben. Die wichtigsten Literaturhinweise bzw. verwendeten Quellen sollten angegeben und kurz kommentiert werden. Ein Zeitplan sollte erstellt werden. Das Forschungsexposé bildet im Kern die spätere Einleitung zur wissenschaftlichen Arbeit.

1. Arbeitsablauf und Zeitplanung für die Erstellung eines Forschungsexposés

1.1 Vorüberlegungen (d.h. Hinsetzen, Nachdenken und Notizen auf einem "weißen" Blatt Papier machen):
* welche Probleme gehören zum gewählten Thema,
* welche Randprobleme sollen ausgeklammert werden,
* welche Stichworte fallen zum Thema ein (Mapping),
* wie lassen sich diese Stichworte aufgliedern und gruppieren, welche Beziehungen bestehen zwischen ihnen,
* was weiß ich zum Thema,
* welche Fragen stellen sich im Rahmen des Themas,
* welche Hypothesen lassen sich über die thematischen Zusammenhänge herstellen,
* welche Begriffe müssen für die Bearbeitung geklärt, welche Arbeitsdefinitionen müssen festgelegt werden,
* welche unterschiedlichen Interessen von welchen Gruppen werden in Bezug auf das Thema vertreten,
* welche Materialien sind bereits bekannt, wo soll ich nach weiteren Unterlagen suchen, wen könnte ich befragen?


1.2 Arbeitsplan
* Thema und Problemstellung der Arbeit /evtl. Theorie, Methode, Forschungsansatz)
* Entwurf des Argumentationsganges
* Gliederung der Arbeit, ungefährer Umfang der einzelnen Abschnitte
* Quellenlage sondieren (Zugänglichkeit der Quellen; Fähigkeit zum Umgang mit den Quellen; Primär- oder Sekundärquellen; Texte: Bücher, Aufsätze, Zeitungsartikel, Dokumente, Gesetzesausgaben usw.; Interviews; Bilddokumente; Materialsuche; Lesetechniken; Ordnung des Materials usw.)
* Zeitplan (abwechselnde Recherchier-, Lese- sowie Schreib- und Formulierphasen, abschließende Arbeitsgänge: Fehlende Quellenhinweise, Bibliographie, Korrekturlesen, Kopieren usw.)


2. Struktur eines Forschungsexposés

1. Kopf/Titelblatt der Arbeit (Name, Matrikelnummer, Studienkennzahl, Lehrveranstaltung, Semester, LehveranstaltungsleiterIn, Titel der Arbeit/des Forschungsexposés)

2. Thema bzw. Gegenstand der Arbeit (Beschreibung, Eingrenzung, Abgrenzung) Von der Themenwahl ist abhängig, ob eine Arbeit mit Interesse und Spaß erledigt wird. Das Thema einer Arbeit kann durch praktische Erfahrungen und/oder durch wissenschaftliche und intellektuelle Neugier angeregt werden. Es sollte sowohl die individuelle (Warum bearbeite ich dieses Thema?), die gesellschaftliche (Warum soll dazu überhaupt geforscht werden?) wie auch die wissenschaftliche (Wo gibt es Forschungslücken? In welche wissenschaftliche Kontroverse will ich mich einmischen?) Relevanz des Themas überlegt werden. Dieses Nachfragen hilft, die Perspektive zu klären, aus der man ein Thema angeht. "Die erste Versuchung für den Studenten besteht darin, eine Arbeit zu schreiben, in der von zu vielem gehandelt wird" (Umberto Eco): z.B. "Politische Parteien heute". Der Gegenstand muß eingeschränkt werden (das Thema muß "machbar" sein: z.B. in inhaltlicher, zeitlicher und örtlicher Hinsicht). Der erste Schritt besteht also darin, das Thema konkret und explizit zu machen, also ab- und einzugrenzen, z.B.: erstens die Behandlung eines bestimmten Zeitraumes, zweitens die Beschränkung auf eine bestimmte Region, drittens die Konzentration auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe und viertens die Beschäftigung mit einigen wenigen AutorInnen/ einem/einer AutorIn.

3. Problem- bzw. Fragestellung; Erkenntnisinteresse/Ziel der Arbeit
Wenn das Problem/die Fragestellung nicht klar formuliert wird, kann man sich in der einschlägigen Literatur kaum zurechtfinden und man weiß nicht, wo man beginnen soll. Deshalb muß zunächst das Thema aufgegliedert und ein spezifisches Problem formuliert werden, das mit wissenschaftlichen Methoden untersucht werden kann ("Forschungsfrage": Was will ich über den Untersuchungsgegenstand erfahren?).
Wie finde ich eine Problemstellung?
* systematische Beschäftigung mit dem Gegenstand durch eigene Überlegung und Beobachtung;
* erste Sichtung vorhandenen Materials; Studium einschlägiger Literatur;
* Gespräche und Diskussionen mit Personen, die Erfahrung auf dem Untersuchungsgebiet haben.
W-Fragen (Wer, Wann, Wo, Wie?) vermeiden. Konzentration auf "Warum?". Eine wissenschaftliche Arbeit sollte nicht nur darstellen, sondern analysieren.

4. Thesen/Hypothesen
5. Material (kommentierte Literaturhinweise)
6. Theorie, zentrale Begriffe und Konzepte (theoretischer Wissensstand zum Forschungsproblem)
7. Methode der Studie (z.B. Textanalyse, empirische Methoden), Forschungsansatz (z.B. historisch-systematisch, institutionalistisch, biographisch) - "Operationalisierung der Fragestellung"
8. Gang der Argumentation/der Untersuchung (Dies entwickelt sich dann zum Hauptteil der Arbeit - Darstellung des Themas, Analyse, Interpretation)
9. mögliche/vermutete Ergebnisse
(kurze Darstellung der vermuteten Ergebnisse, erste Diskussion und Interpretation der Ergebnisse)
10. Fragen, die noch ungeklärt sind
11. Zeitplan/Arbeitsplan für die Durchführung der Studie

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